Es ging von Berlin nach Stralsund mit den Kajaks oben drauf. Unser Standort für die Zeit war der Ruder- und Kanuclub in Stralsund bei dem wir von Jürgen sehr nett aufgenommen wurden. Extra für die Tour hatten wir uns ein neues etwas sturmfesteres Zelt zugelegt, dass wir auf der Wiese des Kanuclubs aufbauten. Wer mag kann auf Anfrage auch ein Bett in einem Bunkraum haben im Dachgeschoss des Vereinshauses mit angeschlossener Gaststätte.

Der Verein sehr schön gelegen direkt an der Uferpromenade nur ca. fünf Minuten zu Fuß vom Hafen bzw. der Altstadt entfernt. Stralsund hat uns sehr gut gefallen, so dass wir insgesamt (nicht ganz freiwillig) sieben Tage dort blieben und sieben Tage um Rügen paddelten. Verhungern muss man in Stralsund nicht es gibt alle Arten von Restaurants. Probiert haben wir das Fischrestaurant Kogge in einer Nebenstrasse vom Neuen Markt weg, das Chinesen-Buffet am Neuen Markt, das Mittagsbuffet im Restaurant La Buffet am Hauptbahnhof (12 m Buffet für 6 Euro, einfach enorm) und die Pizzeria am Hafen, teuer aber gut und natürlich noch das ein oder andere Fischbrötchen zwischendurch. Jedes Jahr findet hier das Wallensteinfest statt.In der Altstadt ist ein Lager aus dem Mittelalter aufgebaut und es finden viele Darstellungen mit entsprechend gekleideten Menschen statt. Abends gabs ein Riesenfeuerwerk und wer den Rummel mit Karussels ect. liebt kommt auch auf seine Kosten.

Am ersten Tag unternahmen wir nur eine kleine Testfahrt rüber bis nach Altefähr und im Bogen zurück. Schnell wurde uns klar, dass die Paddelverhältnisse nicht mit unserer bisherigen Binnenpaddelei zu vergleichen ist. Selbst bei nur moderatem Wind baut sich schon eine höhere Welle auf auch ohne kilometerlange Anlauffläche.

Am nächsten Tag sollte es denn losgehen mit unserer Rügenumrundung für über 200 km und zwar bis nach Dranske. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wir sind so was um 12 km über den Kubitzer Bodden bis zur Heuwiese gekommen und mussten feststellen es ging kaum noch voran. Der Gegenwind und die kurzen steilen Boddenwellen waren zu stark und ließen uns auf der Stelle paddeln. Also machten wir kehrt und paddelten zurück. Das erste Mal in unserem noch kurzen Paddlerleben konnten wir hier denn doch ab und an die erlernten Stütztechniken anwenden. Zum Glück haben wir ja ein Steuer, ohne Steuer hätte es wohl übel ausgesehen, zumal bei dem Wetter auch kein Segler oder Motorboot unterwegs war, was uns hätte retten können.....

Nach 24 km ermattet zurück legten wir erst mal einen Tag Pause ein, bevor es am nächsten Tag erneut los ging, dieses Mal aber andersherum. Die Verhältnisse waren moderater, blauer Himmel schon besser. Natürlich der Wind wieder von vorn aber offensichtlich bietet der geschwungene Strelasund hier doch etwas mehr Schutz. Vorbei am Hafen mit kurzen Fotostop auch auf die Gorch Fock, die hier vor Anker liegt und für 3 Euro besichtigt werden kann. Dann durch die Zugbrücke am Rügendamm durch, am Dänholm vorbei zum Deviner Haken (betreten verboten wegen Naturschutzgebiet). Etwas weiter hat man dann bereits Sicht auf die Glewitzer Fähre bevor sich der Strelasund in Richtung des Greifswalder Boddens enorm weitet. Hier kam uns dann auch Mario entgegen, der uns bereits im Verein einige Tipps gegeben hatte und uns auf unserer Weiterfahrt bis zu ein Meter Welle ankündigte und so kam es denn auch. Linksseitig gibt es hier immer wieder einige kleine Sandbänke am Ufer, die zur Rast genutzt werden können.

Am Palmer Ort machten wir noch eine kurze Rast bevor es um die Ecke in die bewegte See ging. Einige km weiter machten wir dann nach 30 km unser Nachtlager klar kurz vor dem Campingplatz Pritzwald. Hinter der Brandungszone gab es ein wenig Schilfbewuchs in dessen Windschutz wir etwas kochen konnten. Unser Zelt schlugen wir allerdings höher auf, da wir ja nicht wussten wie weit in der Nacht die Brandungswellen hochplätschern würden. Es ging aber alles gut, wenn es auch für uns etwas ungewohnt war bei dem Brandungslärm zu schlafen.

Am nächsten Morgen ging es denn weiter am Campingplatz Pritzwald vorbei mit direktem Kurs von dort auf die Insel Vilm, wiederum ein Naturschutzgebiet, was nicht betreten werden darf. Es soll hier streng kontrolliert werden und auch Bußgelder geben, also obacht. Der Wind flaute immer mehr ab, so dass mal wieder entspanntes Paddeln angesagt war mit einigen Fotostops und auch Badepause, bei 15 Grad Ostseewasser ist das Baden aber eher eine kurze Erfrischung, das ist für längere Schwimmeinlagen viel zu kalt. Am Biwakplatz Neu Reddewitz machten wir unsere erste Pause bevor es an schöner Küstenformation dem Gobbiner Höft, die Having Bucht und den Hagensche Wiek überquerend zur Surfoase Thiessow ging. Auch hier wieder eine kurze Rast und weiter ging es am Südperd entlang direkt in Richtung des Nordperds bei Göhren. Hier haben wir die Bucht geschnitten, viele vorgelagerte Steine im Wasser und die Strände mit Menschen knüppeldicke voll. Wie schön ruhig ist es doch auf dem Wasser. Wir sind dann noch um das Nordperd herum um uns am Strand von Göhren oder Baabe zur Nacht niederzulassen. Auch hier wieder Himmel und Menschen am Strand.

Wie so oft sind wir auch hier die Sensation, zwei Paddler, die rings um Rügen bei teilweise rauhen Bedingungen paddeln, das ist einfach unvorstellbar. Für uns neu auch die Brandungswellen, die uns hier auch das Anlegen schwer machten. Gaby schaffte es ganz gut, Burkhard kam aber nicht schnell genug raus aus dem Kajak und schwupp schon war das Cockpit voller Wasser und damit das ganze Boot wohl um die 200 kg schwer. Auf die Seite kippen ging noch ganz gut, als das meiste Wasser dann raus war konnten wir das Mutterschiff der Expeditionen den Prijon Kodiak auf den Strand ziehen. Das Restwasser war dank mitgenommener manueller Lenzpumpe schnell verschwunden.

Da es uns hier für eine Übernachtung am Strand zu voll war wollten wir noch etwas weiter unsere Boote aber nicht noch mal fluten, so hat Burkhard Gaby durch die Brandung geschoben und ist mit seinem Boot bis hinter die Brandungswellen geschwommen und draussen eingestiegen. Das war eine willkommene Abwechselung für die Strandurlauber. Bei Baabe ging es denn aber nach 43 Tageskilometern endgültig an Land, mittlerweile war es den Badenixen wohl auch etwas zu lausig geworden und wir hatten den Strand fast für uns allein, wenn man mal von einer Vielzahl von Mücken, Sandfliegen und sonstigen Getier absieht. Die Trockenanzüge, die uns auf dem Wasser vor Kälte schützen haben auch hier gute Dienste geleistet bis das Zelt aufgebaut war und ein angezündetes Moskitocoil Wirkung zeigte.

In der Nacht gewitterte es dann mächtig eine erste ernste Bewährungsprobe für unser neues Zelt, die es hervorragend mit etwas Neigung zur Kondensbildung bestanden hat.

Am nächsten Morgen ging es dann nachdem wieder alles verstaut war in den Booten und wir ordentlich gefrühstückt hatten wie so jeden Tag zwischen 9-10 Uhr los, unter der Seebrücke von Sellin durch nach Binz, dem wohl Hauptbadeort der Insel Rügen. Hier tobte das Leben, volle Seebrücke, wieder staunende Augen und Worte der Bewunderung oder des Mitleids , aber da wollten wir durch mussten wir doch mal wieder unsere Vorräte auffüllen. Bei der DLRG haben wir noch unser Handy geladen, einige Telefonate nach Hause getätigt, bevor es nach einem Mittagssnack weiter in Richtung Prora ging. Endlich kam auch mal wieder die Sonne raus, so dass wir hier mal wieder einen Badestop einlegten und unsere nassen Klamotten ein paar Stunden trocknen lassen konnten. Die Drahtleinen der Deichschutzanlagen sind dafür hervorragend geeignet. Ausnahmsweise hatten wir von hier aus dann auch gut Sicht auf die Hafenmole von Neu Mukran und konnten sogar im Sonnenschein den Anfang der Kreidefelsenküsten erahnen.

Zum Glück sind ja unsere Kajaks mittlerweile auch mit Kompass ausgestattet was auch dringend erforderlich ist um üblicherweise zumindestens halbwegs in Richtung der Landzungen zu paddeln

Nach dieser längeren Pause ging es weiter in Richtung der grünen Tonne zur Hafeneinfahrt Neu Mukran, wo uns so eine riesige Fähre von Schweden oder Bornholm entgegenkam. Eigenartigerweise wurde es hier wieder ziemlich kabbelig, obwohl der Wind eigentlich gar nicht so stark war und wir entschieden uns die Fähre erst mal durchzulassen. Das wollte aber wohl der Kapitän der Fähre wiederum nicht,der ebenfalls wartetete, wir starrten uns gegenseitig an bis uns das zu lange dauerte und wir die die Hafeneinfahrt überquerten. Als wir dann durch waren lief auch die Fähre in den Hafen ein. Vielleicht sollte man sich zu diesem Zweck ein paar Fahnen zulegen um Zeichen zu geben.

Kurz vor Sassnitz machten wir nach 25 km dann hinter einer Brandungsschutzanlage einen schönen Lagerplatz aus. Zum Glück kam gerade keine Fähre, da es sonst innerhalb dieser Anlage etwas wild geworden wäre. Leider hier dann auch wieder viel Müll, Glasscherben, ein erloschenes Lagerfeuer kündete von vergangenen Saufgelagen. Diese Nacht blieb es in unserer Nähe zum Glück ruhig. Wir haben noch schön gegrillt um uns für den nächsten Tag um die Kreidefelsen herum zu stärken und haben noch die ein oder andere einlaufende Fähre beobachtet.

So schön wie der Abend endete begann der nächste Morgen, Sonne und blauer Himmel, so lässt es sich aushalten. Also wieder alles Gerödel verstaut, vorbei am Hafen von Sassnitz und wegen der vielen Steine in ausreichenden Abstand immer an den Kreisefelsen vorbei. Dank der vielen Ausflugsschiffe, die hier verkehren und sich auf der Rückfahrt vom Königsstuhl Wettfahrten liefern war es hier ganz gut kabbelig wieder, aber gut beherrschbar. Auf dieser Stecke haben wir die vielleicht schönsten Bilder machen können, eine tolle Ansicht von der Wasserseite. Es wurde jedoch wieder schlechter, der Wind frischte mächtig auf und wir liefen in den Hafen von Lohme ein. Dank eines Tipps aus dem Seekajakforum wussten wir, dass der Hafenmeister auch Paddler gestattet neben seinem Haus zu zelten. Es war zwar erst Mittag aber es hat uns hier so gut gefallen, dass wir hier auch nach 19 km übernachten wollten. Gleich unten im Hafen gibt es an einem Kiosk sehr schmackhaftes Essen, futtern wie bei Muttern mit fangfrischen Fisch und gemässigte Preise neben schöner Hafenatmosphäre.

Eine steile Treppe geht es hoch zum Ort Lohme, sehenswert mit einem Tante Emma Laden an einem Caravanstellplatz und netten Pensionen, natürlich alles ausgebucht. Schön hier auch mal wieder eine heisse Dusche zu haben und die Akkus aufladen zu können.

In der Nacht gab es mal wieder ein Gewitter, aber wir waren ja im trockenen Zelt. Nachdem wir hier mit unserem Handy die Seewetternachrichten nicht abholen konnten informierten wir uns morgens beim Hafenmeister. Wie die Brandungswellen an dem hier befindlichen Schwedenfelsen erahnen liessen, sollte es ganz schön heftig werden. Windstärke 6-7 und zwei Meter Welle. Die Segler trauten sich auch nicht so recht raus, schon gar nicht unter Segel aber der Hafenmeister meinte gegen Mittag könnten wir es versuchen. Auf die Ratschläge der Einheimischen sollte man hören, also ließen wir es ruhig angehen und wagten uns erst gegen 12.00 Uhr aus dem Hafen. Einige Hafenbesucher wollten es sich nicht nehmen lassen dieses Schauspiel zu geniessen und warteten auf unseren Auslauf. Durch die schmale Hafeneinfahrt spülte das Wasser, also Augen zu und durch und erst mal Abstand zu den reflektierenden Wellen der Hafenmole gewinnen. Es ging dann aber doch ziemlich gut, die bisher höchsten Wellen für uns machten uns keine Schwierigkeiten, auch wenn wir uns manchmal aus den Augen verloren haben. Auch hier das erste Mal, dass wir im Wellental das vor uns liegende Land nicht mehr gesehen haben, wieder ein Grund mehr mit Kompass zu paddeln. Also auf zum Hafen Glowe, die nächste Rast nach 10 km. Gaby ging frischen Fisch holen im Ort und wir kochten uns in aller Ruhe unser Mittag. Gut gestärkt hielten wir nun auf den Strand von Altenkirchen zu an dem wir vor unserer Kap Arkona Umrundung noch einmal nach ca. 20 km übernachten wollten.

Am nächsten Morgen  fühlten wir uns fit genug Kap Arkona zu umrunden, hier und auch an anderen Stellen unserer Tour muss es Strömungen geben, die das Vorankommen etwas erschweren. Wir zogen vorbei in Sichtweite zum Fischerdorf Vitt, wo offensichtlich gerade Fisch geräuchert wurde, weiter mit Blick auf die Leuchttürme von Kap Arkona um am Nordstrand eine erste Pause einzulegen. Der Strand hier sehr leer, gibt es oberhalb einer Treppe doch nur einen kleinen Caravanpark auf einer grünen Wiese, schön aber auch das Kap mal von oben zu sehen. Hier konnte man auch wieder gut durch die Brandung schaukeln was diesmal gut ging. Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeiten legten wir dann noch mal am Regenbogenresort Dranske Nonnewitz an. Wir mussten jedoch auch hier feststellen, dass es zu einem möglichen Stellplatz auf dem Campingplatz nur durch tiefen Pudersand ging, was mit unserem Bootswagen und den schwer beladenen Booten viel zu anstrengend ist. Und dann dieser riesige Platz, voller als voll, schon vormittags Besoffene und Lärm über Lärm, nein Danke. Also nur wieder einen kurzen Snack es gibt hier eine Backstube nur wenige Meter vom Strand hoch am DLRG Häuschen vorbei, kurzen Plausch mit einem DLRG Mitarbeiter, der von einem Sit on Top Kajak gerade einen Dorsch gefangen hat und weiter ging es nach Dranske wo wir an der schmalen Stelle zum Wieker Bodden hin unser Nachtlager mit Blick auf die im Dunst liegende Nordspitze von Hiddensee aufschlugen. Die nächsten 27 km waren geschafft. Hier waren die Mücken sehr aggressiv, dank Moskitocoil und das erste Mal zusätzlich Autan blieben wir halbwegs verschont. Hier war es auch wieder schön ruhig, immerhin gibt es hier ja auch keinen richtigen Strand, nur wenige Bernsteinsammler liefen noch die Bucht ab. In Dranske gibt es ein Zeitungskiosk, ein Imbiss, Cafe, Restaurant aber kein Einkaufsladen.

Von Dranske haben wir dann die restlichen 37 km unserer Rügenumrundung in Angriff genommen. Das Wetter war heute anfänglich wieder schöner, so dass wir es wagen konnten direkt auf die schmale Durchfahrt zwischen Hiddensee und Rügen zuzuhalten. Hier oben ist wieder alles Naturschutzgebiet man muss also die nächsten 10 km auch bei widrigen Bedingungen durchpaddeln. Die nächste Haltemöglichkeit ist erst wieder Seehof. Wer es lange im Boot sitzend aushält sollte möglichst die ausgetonnte Fahrrinne nicht verlassen, denn bereits wenige Meter neben der Fahrrinne ist es sehr flach und es paddelt sich wie durch Brei. Wir müssen jedoch mindestens alle paar Stunden mal austeigen und uns strecken weil entweder der Hintern oder der Rücken sich meldet. Danach ist es dann wieder gut. Natürlich wird dadurch auch die mögliche Fahrzeit länger, aber wir sind ja nicht auf der Flucht sondern im Urlaub und die Städtchen am Rande sind immer wieder sehenswert.

Mögliche Haltepunkte auf dieser Strecke Seehof, von dem wir trotz Vorhersage vom Besitzer nicht mit der Heugabel vertrieben wurden (war vielleicht gerade einkaufen), Schaprode von wo aus die Fähren die Insel Hiddensee anlaufen und dann noch das Ostseecamp Suhrendorf, in dem wir uns unser Mittagessen besorgten und wo Paddler auf Nachfrage auch keine Tagesgebühr bezahlen müssen.

Die restlichen Kilometer über den Kubitzer Bodden hatten es denn noch ganz in sich, der Wind frischte auf und dann auch noch aus Südost, so dass wir wegen des Wellenganges nicht an dem Hauptsteg des Kanuclubs Stralsund anlegen konnten, sondern einen kleinen Seitensteg nutzten.